1. Geburtstag

Happy BirthdayJetzt ist Kohni-Sohni ein Jahr alt! Verdammt, wie die Zeit vergeht!!! Gelegenheit für ein Fazit:

Früher dachte ich immer, Säuglinge essen, schlafen, und ka…. ääh… machen die Windel voll. Und zwar essen sie, was man ihnen vorsetzt, und schlafen, egal wo.
Doch wurde ich schnell eines Besseren belehrt.
Außer Muttermilch hat der Hobby-Gourmet nichts zu sich nehmen wollen.
Wir haben sämtliche Sorten Trockenmilch ausprobiert. Nichts hat er gemocht.
Und im Kinderwagen schlafen? Auf keinen Fall. Wie riecht das hier denn drin? Haben hier etwa schon andere Babys drin gelegen? (woher weiß ein wenige Tage alter Säugling, dass der Kinderwagen gebraucht ist?) Außerdem kann ich nichts sehen!
Im Beistellbettchen schlafen? Auf keinen Fall. Wo sind Mama und Papas Gerüche und Herzschläge? Und außerdem, wie riecht das hier denn? Haben hier etwa schon andere Babys….. JA-HAA…. auch gebraucht gekauft!!
Im Auto im nagelneuen Maxi-Cosi? Auf keinen Fall. Rückwärtsfahren? In dieser krummen Haltung? Und außerdem, was riecht der denn so neu… ist ja eklig.
Dass er das jeweils mit einem ohrenbetäubenden Geschrei mitgeteilt hat, muss ich wohl nicht erwähnen. Siehe hier.
Nur ka…. ääh… in die Windel machen, das ging immer. Vorzugsweise, wenn man in der Haustür stand und gerade loswollte.

Und in dieser Phase haben alle gesagt, wir sollen die Zeit mit dem wenige Tage und Wochen alten Kohni-Sohni genießen.
WIE BITTE?
Genießen? Wie das denn?

Jetzt, nach einem Jahr, wo die Tage geregelt und strukturiert ablaufen, er in seinem Hochstuhl sitzt und Nudeln, Reis oder Kartoffeln mit Tomaten, Karotten oder Spinat isst, er in seinem Kinderbett in seinem eigenen Zimmer schläft und er krabbelt und brabbelt was das Zeug hält….jetzt weiß ich, was gemeint ist. Denn, wenn die erste Phase auch anstrengend war – sie kommt nie wieder zurück! Die Zeit rast, und der Kleine ist schon ein Jahr alt.

 

Vatertag

Früher habe ich es am Vatertag immer ziemlich krachen lassen!
Irgendwo war immer etwas los. Entweder im Kreise meiner Fußballmannschaft oder bei einem Kumpel im Garten. Dabei war ich gar kein Vater. Egal….
Und es gab immer genügend Kaltgetränke, die uns den Tag verkürzt haben. Dass ich dann freitags frei hatte, brauche ich wohl nicht zu erwähnen.
Und nun, wo ich Vater bin? Ich offiziell feiern dürfte?
Genau…. ich mache mit meiner Familie eine Fahrradtour.
Kohni-Sohni sitzt im nagelneuen Fahrradanhänger (oder wie ich sagen würde: im Bollerwagen für den späten Vater) und sein Vater zieht.
Und was früher undenkbar war….. die Frau war mit von der Partie.
Und was ich mir nie hätte träumen lassen….. es hat mir gut gefallen!!

Mitteilungsbedürftig

Eheringe für die bevorstehende Trauung zu kaufen, ist auch ganz nüchtern betrachtet eine relativ romantische Angelegenheit.
Wenn jedoch beim 10 Wochen alten Nachwuchs bei mir auf´m Arm in Fliegerstellung die Verdauung in Form von Flatulenzen einsetzt, rückt die Romantik tatsächlich ein wenig in den Hintergrund.
Die ersten waren noch geräuschlos, allerdings olfaktorisch nicht zu unterschätzen. Doch wir taten so, als wäre nichts gewesen und schenkten den Gerüchen keinerlei Beachtung.
Scheinbar angestachelt von unserer Ignoranz gab es dann auch die musikalische Untermalung zur schlechten Luft. Wir ignorierten vor uns hin, probierten Ring um Ring und fachsimpelten mit dem Juwelier. Und obwohl es immer lauter wurde, die Augen tränten und die Zungen brannten, aber getreu dem Motto: “Körpergeräusche werden nicht kommentiert!”, sagten wir nichts.
Doch nach einem Rülpser wie von einem bayrischen Almhirten nach einer Maß auf ex, bekam der Filius seine Aufmerksamkeit, als der Juwelier sagte:
“Euer Kleiner ist durchaus in der Lage sich mitzuteilen.”

 

 

 

Früher, Heute

Auf meiner täglichen Runde mit dem Kinderwagen (oder wie ich sagen würde, dem Rollator des späten Vaters) durch´s Dorf, wurde ich von einer Dame angesprochen.
“Schön, wenn man mal die Zeit für einen Spaziergang hat.”
“Stimmt…. und ich habe immer diese Zeit. Ich bin nämlich drei Jahre in Elternzeit.”
“Tatsächlich? Toll, dass Väter heutzutage diese Möglichkeit haben. Als mein Mann vor vierzig Jahren nur mal mit dem Kinderwagen spazieren ging, wurde er ausgelacht.
Klasse, dass Sie das machen. Sie sind ein toller Papa!”

Aber längst nicht alle sind im Heute angekommen!
So wurde meine Frau von einem ca. 60jährigen gefragt: “Ja, kann denn ein Mann eine Mutter ersetzen?”
??????
Natürlich nicht! Soll er doch auch gar nicht!
Ein Vater ist ein Vater, und eine Mutter eine Mutter!
Niemand soll den Anderen ersetzen.

Unser Kinderarzt hat gesagt, für ein Kind ist es das Schönste, wenn ein Elternteil zu Hause bleibt. Und uns darauf vorbereitet, dass nicht wenige die Mama als Rabenmutter hinstellen werden.
Doch da stehen wir drüber, denn wir sind eine moderne Familie.
Die Mama verdient mehr und der Papa übernimmt Kind und Haushalt.

 

Verwöhnen

Es gibt Kaffee mit Verwöhn-Aroma.
Mit dem richtigen Shampoo kann man seine Haare verwöhnen.
Hotels bieten Verwöhn-Wochenenden in extra eingerichteten Verwöhn-Oasen an. Wir Erwachsene lassen es uns so richig gut gehen!
Auch für Haustiere gibt es Menüs, um die Viecher laut Werbung zu verwöhnen.

Aber wenn man seinen weinenden Sohn sofort aus dem Kinderwagen nimmt, um ihn zu trösten, heißt es abfällig: “Verwöhn´ ihn doch nicht so!”
Wieso denken viele, es ist gut, wenn man das Baby mal ´ne Stunde weinen lässt?
Es ist doch kein kindverziehendes Verhalten, wenn man sich zeitnah um dessen Bedürfnisse kümmert!

Eine wildfremde Frau sprach mich beim Einkaufen mal auf den im Kinderwagen schlafenden Kohni-Sohni an:
“Ist er immer so lieb?”
“Ja”
“Oder schreit er auch manchmal?”
“Ja”
“Nehmen Sie ihn dann sofort hoch”?
“Natürlich!”
“Der hat Sie aber voll im Griff! Der ist ganz schön verwöhnt!”
??????

Bei einem Spaziergang mit Verwandten und Bekannten und dem schlafenden Kohni-Sohni in dem von mir geschobenen Kinderwagen sagte Tante X (Name der Red. bekannt), nachdem ich die Schiebegeschwindigkeit beim Übergang von Teer auf Kopfsteinpflaster spürbar verringerte:
“Du fährst doch wohl jetzt nicht extra langsamer?”
??????
Was ist falsch daran, wenn man verhindert, dass ein wenige Wochen altes Baby wie ein Flummi durch den Kinderwagen springt???

Wen oder was soll man auf dieser Erde denn sonst verwöhnen,
wenn nicht sein Baby?

 

Schnuller

Während der Schwangerschaft hörten meine Frau und ich interessiert einem Radiobericht zu, in dem es um die Benutzung des Schnullers ging. Genau genommen eigentlich um die Nichtbenutzung. Denn ein sogenannter Fachmann erklärte, man solle das Baby nicht mit dem Schnuller ruhig stellen, wenn es quengelt oder weint, sondern sich dann um die Bedürfnisse kümmern.
Das traf genau unseren Nerv! Das machen wir… wir kümmern uns! Wir sind gute Eltern!! Nee, einen Schnuller brauchen wir nicht!

Vier Hebammen, drei Kinderkrankenschwestern, zwei Apothekerinnen und zwei Kinderärzte überzeugten uns aber dann vom Gegenteil. Alle erzählten, dass der Schnuller den natürlichen Saugreflex des Babys befriedige und dass der Körper durch das Saugen Hormone ausschüttet, welche sich beruhigend auswirken. Umgangssprachlich sagt man Schnuller, Nuckel, Nucki usw.. In der Fachsprache sagt man Beruhigungssauger.
Klingt komisch… ist aber so!

PS: Wir haben 6-8 (ganz genau weiß das keiner) Schnuller in Gebrauch. Allerdings immer nur zwei, die sichtbar sind. Vier bis sechs (ganz genau weiß das keiner) sind immer verschollen. Werden vom Staubsauger “gefunden”, sind im Spielzeug “integriert”, liegen unter der Krabbeldecke usw. usw.

 

Anruf bei der Rentenversicherung

“Guten Tag, ich möchte Ihnen mitteilen, dass ich drei Jahre in Elternzeit gehe. Kann ich das schriftlich per E-Mail machen?”
“Neeeiiin…. das müssen Sie telefonisch melden!”
“Ach… dann mache ich das doch jetzt.”
“Neeeiiin…. doch nicht bei mir. Ich verbinde Sie.”

Nach zehn Minuten Freizeichen wieder die Vermittlung

“Hören Sie? Da nimmt keiner ab.”
“Ach was?”
“Ja….. ich gebe Ihnen mal die Durchwahl.”

Ich habe es probiert… stundenlang, tagelang…. es ist niemand an´s Telefon gegangen.

Am Donnerstagnachmittag sagte ich zu meiner Frau:
“Ich rufe morgen um 11.57 Uhr an.”
“Warum?”
“Am Freitag um 11.57 Uhr ist jeder in seinem Büro. Es werden nur noch ein paar Kugelschreiber weggeräumt, und wenn das Telefon klingelt, denkt jeder, dass der Partner dran ist, weil er noch etwas mitgebracht haben möchte.”

Ich rufe also am Freitag um 11.57 Uhr an… einmal Freizeichen, sofort wird abgenommen!!!!
“Guten Tag, ich möchte Ihnen gerne mitteilen, dass ich drei Jahre in Elternzeit gehe.”
“Neeeiiin….. das geht nicht telefonisch. Das müssen Sie schriftlich machen!”
“Wollte ich ja per E-Mail. Die in der Vermittlung hat gesagt, das geht nur telefonisch.”
“Neeeiiin…..(dieses langgezogene Nein geht mir tierisch auf die Nerven!!) das geht weder per E-Mail noch telefonisch. Das geht nur persönlich und schriftlich. Sie müssen ein paar Formulare ausfüllen.
Ich mache Ihnen einen Termin in der Heider Außenstelle.”
“Okay… ich kann nächste Woche außer Montag jeden Tag.”
“Neeeiiin….. (hör auf damit!!) so schnell geht das nicht.
Sie haben einen Termin in vier Wochen.”

 

Anruf bei meiner Krankenkasse

“Guten Tag, ich möchte Ihnen mitteilen, dass ich Vater geworden bin und drei Jahre in Elternzeit gehe.”
“Herzlichen Glückwunsch! Dann ist Ihr Kind bei uns mitversichert.”
“Nein! Das ist bei der Mutter krankenversichert.”
“Ach…. dann sind Sie auch bei der Mutter familienversichert?!”
“Nein, ich bin weiterhin bei euch versichert…. allerdings beitragsfrei.”
“Ach was….. das geht??”
“Ja. Soll ich Ihnen eine Bescheinigung meines Arbeitgebers über meine genehmigte Elternzeit schicken?”
“Nein nein…… ich schicke Ihnen ein Formular.”

Das Formular kam und sollte laut Anschreiben ausgefüllt im beigefügten frankierten Rückumschlag zurückgesendet werden.
Allerdings bezogen sich die anzukreuzenden Punkte auf Schwangerschaft, Mutterschutz usw.. Also eindeutig nur für die Mutter. Für einen Vater der in Elternzeit geht, gab es keine Möglichkeiten, ein Kreuzchen zu machen.
Und der versprochene frankierte Rückumschlag war auch nicht dabei.

Wieder angerufen, neuer Mitarbeiter

“Guten Tag, ich habe bereits vor ein paar Tagen angerufen, um Ihnen mitzuteilen, dass ich Vater geworden bin und drei Jahre in Elternzeit gehe.”
“Herzlichen Glückwunsch! Dann ist Ihr Kind bei uns mitversichert.”
“Nein! Das ist bei der Mutter krankenversichert.”
“Ach…. dann sind Sie auch bei der Mutter familienversichert?!”
“Nein, ich bin weiterhin bei euch versichert…. allerdings beitragsfrei.”
“Ach was….. das geht??”
“Ja.”
“Dann schicke ich Ihnen ein Formular”
“Das habe ich doch bereits nach meinem ersten Anruf erhalten. Allerdings gibt es für mich als Vater keine Ankreuzmöglichkeiten. Das Formular ist komplett auf die Mutter zugeschnitten”
Mmh… ja….dann weiß ich auch nicht. Sind Sie telefonisch erreichbar? Dann ruft Sie gleich mal eine Kollegin zurück.”

Eine Stunde später klingelt das Telefon

“Guten Tag, hier ist Ihre Krankenkasse. Sie haben um Rückruf gebeten. Wie kann ich Ihnen weiterhelfen?”
“Guten Tag, ich wollte Ihnen lediglich mitteilen, dass ich Vater geworden bin und drei Jahre in Elternzeit gehe.”
“Herzlichen Glückwunsch! Dann ist Ihr Kind bei uns mitversichert.”
Nein! Das ist bei der Mutter versichert.
“Ach…. dann sind Sie auch bei der Mutter familienversichert?!”
Na-hein, ich bin weiterhin bei euch versichert…. allerdings beitragsfrei.”
“Ach was….. das geht??”
“Jaaa.…. aber ihr habt mir ein Formular für eine Mutter geschickt!!!!”
“Mmh… ich werde das noch mal im Kollegenkreis besprechen und Sie wieder anrufen.”

Zwei Stunden später – viertes Telefonat – vierte Mitarbeiterin

“Herzlichen Glückwunsch zum Nachwuchs! Schicken Sie uns doch bitte eine Kopie der Bescheinigung Ihres Arbeitgebers über Ihre genehmigte Elternzeit. Das genügt uns!”
“Gute Idee…. da hätte ich auch gleich drauf kommen können”

 

 

Erster Brief für Kohni-Sohni

Am vierten Tag nach der Geburt durfte ich meine Familie  nach Hause holen. Dort angekommen schaute meine Frau zuallererst in den Briefkasten und staunte…. unser nur wenige Stunden alter Filius hatte Post.

Von Bayern München!?

Sie sah mich fragend an. Ich schaute in die Luft und pfiff leise vor mich hin, während sie den Brief las.

“Du hast ihn bei Bayern München angemeldet???”
Dackelblick
“Meinst du nicht, dass Kinder- und Elterngeld beantragen wichtiger ist?”

Ich: “Nein!”

 

 

 

James Bonding – Die Lizenz zum Kuscheln

Nach der Geburt und dem medizinischen Check durften wir drei uns in einem ruhigen Zimmer ausruhen. Die Mama ruhte im Bett, das Baby lag zum Bonding auf der dafür extra unrasierten Brust des Vaters. Mit diesem Brusttoupet sah ich aus wie Dieter Thomas Kuhn, aber ich wollte unbedingt vermeiden, dass mögliche Stoppeln seine zarte Babyhaut zerkratzen. So lag er auf meiner Brust und machte genau die Schlafgeräusche, mit denen ich sonst meiner Frau den Schlaf raube.

Später dann sind Vater und Sohn von der Hebamme zum Maße nehmen abgeholt worden. Er wurde gewogen, Körperlänge und Kopfumfang gemessen und ein Fußabdruck gemacht. Was sich jetzt so einfach anhört, gestaltete sich allerdings schwierig, da der Kleene überhaupt keinen Bock darauf hatte. Er wehrte sich mit Händen und Füßen und schrie so laut, dass sogar die Hebamme sagte, sie habe noch nie ein neugeborenes Baby so laut schreien hören. Naiv, wie nur ein unerfahrener Vater sein kann, dachte ich, es sei ein Kompliment und lächelte stolz.
Da dieses Schreien später auch im MaxiCosi, im Auto, im Kinderwagen, im Beistellbett usw. ertönte, ist mir das Lachen schnell vergangen.