Es geht los!

Fünf Stunden nach dem Kaffee mit Wumms, oder wie ich sagen würde mit Koffein, aber ohne Wumms, und drei Stunden nach einer bizarren Übung, bei der ich mich an einem in der Zimmerdecke verankerten Tuch festhielt und meine Frau mit betäubtem Unterkörper auf meinen Oberschenkel saß und ich dabei mindestens einen bleibenden Knieschaden davontrug, gaben wir auf. Zweieinhalb Tage nach Einlieferung und Start der Einleitung siegte der Muttermund. Doch keine spontane Geburt. Kaiserschnitt!

Wir wurden in den OP geschoben. Das heißt, meine Frau wurde geschoben, ich konnte ja gehen. Wir betraten den OP auch nicht gleichzeitig; ich musste mich erst noch umziehen. Blaue Hose, blaues Hemd, blaue Haube, blauer Mundschutz… ich sah aus wie Sascha “ich war jung und brauchte das Geld” Hehn in der Schwarzwaldklinik. Und hätte ich so vermummt laut gesagt: “Mein Name ist Dr. Brinkmann, ich bin der Neue, ich übernehme!”….. wer weiß…? Aber ich wollte ja auch lieber am Kopfende bei meiner Frau sein.

Und dann ging alles sehr schnell und ein kerngesunder Schreihals begrüßte seine Eltern. Vom 55stündigen Kampf gegen den sturen Muttermund sah der Kleine ziemlich mitgenommen aus (wahrscheinlich konnte er einen Kaffee mit Wumms gebrauchen) und sein Kopf erinnerte an Calimero.

 

Kaffee mit Wumms

“Möchtest du einen Kaffee mit Wumms?” fragte mich die Hebamme am Sonntag. Ungläubig, aber total begeistert sagte ich “Jaaaa” und dachte “Geil…. das ist nach dem 50stündigen Kampf mit dem sturen Muttermund genau das Richtige”

Amüsiert war ich von dem Ausdruck. Ich werde beim nächsten Cafébesuch mal einen Kaffee mit Wumms bestellen. Mal sehen, ob der Begriff in Cafés geläufig ist.

Na ja… Pharisäer oder Irish Coffee dürften sie im Krankenhaus wohl auch nicht so herausposaunen. Ich überlegte, wo das Personal den Wumms wohl versteckt. Im Spind? Hinter irgendwelchen Akten? Egal, erstmal her damit! Denn wenn der Muttermund hier schon auf Zeit spielt, kann ich mir ja wenigstens einen antüdeln.

Da kommt sie, in jeder Hand eine Tasse. Ich denke, sie trinkt einen mit, die Party beginnt. Sie überreicht mir die Tasse, ich will anstoßen, doch sie trinkt bereits. Ich trinke auch, mit großen Augen schaut sie mich an, ich schmecke nichts ausser Kaffee. Die Hebamme sagt: “Na, der tut gut, wa? Endlich mal ein Kaffee mit Koffein.”

Ich brech innerlich zusammen!

Die Generalprobe

Unser Kind war die ganze Schwangerschaft über sehr agil, was man bereits bei den ersten Ultraschallaufnahmen sehen konnte. Der Kleine beglückte uns in etwa der 12. Woche schon mit den ersten Kunststückchen und stand  Kopf bei der Ultraschallaufnahme, woraufhin selbst die Arzthelferin rief: „Uii, ein Turner!“

Die Bewegungen wurden im Laufe der Monate immer fühlbarer und wir hatten den Eindruck, dass er sogar schon auf seinen Namen hörte und besonders viel zappelte, wenn man ihn rief.

Etwa zehn Tage vor der Geburt war von den Bewegungen tagsüber  wenig bis gar nichts zu spüren. Und sogar abends im Bett, wenn Mama zur Ruhe kam, und er immer besonders agil war, war überhaupt keine Bewegung.

Auch singen, seinen Namen rufen, leichte Schubser… nichts half. Ich drängte darauf, die Hebamme anzurufen. Dass es bereits 22.30 Uhr war, kümmerte mich wenig. Mist, der AB…. doch um 22.45 Uhr ihr Rückruf. Kurze Lagebesprechung, dann um 23.00 Uhr Abfahrt ins Krankenhaus.

Angekommen, Aufnahme, warum, weshalb, wieso, CTG. Und zack… mit den ersten gehörten Herztönen wurde der Kleene wieder agil. Schön angeschmiert!

Später beim Ultraschall hat die für uns geweckte Bereitschaftsärztin dann gesagt: „Sie haben aber ein sehr agiles Kind. Warum sind sie nochmal hier?“

Geschlechtsumwandlung??

Es war ein Donnerstagnachmittag weit vor der Schwangerschaft, als ich mit meinem Tennisarm beim Orthopäden war und um eine Überweisung zum Frauenarzt bat. Die Arzthelferin in der Anmeldung musterte mich….. sie vermisste wohl zwei weibliche Attribute an meinem Oberkörper.

Der Orthopäde untersuchte meinen Arm und druckste mit ein paar branchenüblichen Floskeln um den heißen Brei herum, bis er sich traute zu fragen: “Hab ich das richtig verstanden? Sie benötigen eine Überweisung zum Frauenarzt?” “Ja” sagte ich “der braucht mein Blut. Es geht um eine Schwangerschaft”.

Ich dachte, ihm war klar, dass ich die Schwangerschaft meiner Frau meinte. Erst später fiel mir auf, dass sein “ah…mmh… ach so…. na ja” kombiniert mit seinem irritierten Blick, ihn wohl annehmen ließ, ich stünde kurz vor einer Geschlechtsumwandlung. Und ein schnelles “ich kenne mich damit ja auch gar nicht aus” hinten ran, beendeten dann wohl seine Gedanken, ob die Medizin schon so fortgeschritten war, dass Männer nach einer Geschlechtsumwandlung auch schwanger werden können.