James Bonding – Die Lizenz zum Kuscheln

Nach der Geburt und dem medizinischen Check durften wir drei uns in einem ruhigen Zimmer ausruhen. Die Mama ruhte im Bett, das Baby lag zum Bonding auf der dafür extra unrasierten Brust des Vaters. Mit diesem Brusttoupet sah ich aus wie Dieter Thomas Kuhn, aber ich wollte unbedingt vermeiden, dass mögliche Stoppeln seine zarte Babyhaut zerkratzen. So lag er auf meiner Brust und machte genau die Schlafgeräusche, mit denen ich sonst meiner Frau den Schlaf raube.

Später dann sind Vater und Sohn von der Hebamme zum Maße nehmen abgeholt worden. Er wurde gewogen, Körperlänge und Kopfumfang gemessen und ein Fußabdruck gemacht. Was sich jetzt so einfach anhört, gestaltete sich allerdings schwierig, da der Kleene überhaupt keinen Bock darauf hatte. Er wehrte sich mit Händen und Füßen und schrie so laut, dass sogar die Hebamme sagte, sie habe noch nie ein neugeborenes Baby so laut schreien hören. Naiv, wie nur ein unerfahrener Vater sein kann, dachte ich, es sei ein Kompliment und lächelte stolz.
Da dieses Schreien später auch im MaxiCosi, im Auto, im Kinderwagen, im Beistellbett usw. ertönte, ist mir das Lachen schnell vergangen.

Kaffee mit Wumms

“Möchtest du einen Kaffee mit Wumms?” fragte mich die Hebamme am Sonntag. Ungläubig, aber total begeistert sagte ich “Jaaaa” und dachte “Geil…. das ist nach dem 50stündigen Kampf mit dem sturen Muttermund genau das Richtige”

Amüsiert war ich von dem Ausdruck. Ich werde beim nächsten Cafébesuch mal einen Kaffee mit Wumms bestellen. Mal sehen, ob der Begriff in Cafés geläufig ist.

Na ja… Pharisäer oder Irish Coffee dürften sie im Krankenhaus wohl auch nicht so herausposaunen. Ich überlegte, wo das Personal den Wumms wohl versteckt. Im Spind? Hinter irgendwelchen Akten? Egal, erstmal her damit! Denn wenn der Muttermund hier schon auf Zeit spielt, kann ich mir ja wenigstens einen antüdeln.

Da kommt sie, in jeder Hand eine Tasse. Ich denke, sie trinkt einen mit, die Party beginnt. Sie überreicht mir die Tasse, ich will anstoßen, doch sie trinkt bereits. Ich trinke auch, mit großen Augen schaut sie mich an, ich schmecke nichts ausser Kaffee. Die Hebamme sagt: “Na, der tut gut, wa? Endlich mal ein Kaffee mit Koffein.”

Ich brech innerlich zusammen!

Die Generalprobe

Unser Kind war die ganze Schwangerschaft über sehr agil, was man bereits bei den ersten Ultraschallaufnahmen sehen konnte. Der Kleine beglückte uns in etwa der 12. Woche schon mit den ersten Kunststückchen und stand  Kopf bei der Ultraschallaufnahme, woraufhin selbst die Arzthelferin rief: „Uii, ein Turner!“

Die Bewegungen wurden im Laufe der Monate immer fühlbarer und wir hatten den Eindruck, dass er sogar schon auf seinen Namen hörte und besonders viel zappelte, wenn man ihn rief.

Etwa zehn Tage vor der Geburt war von den Bewegungen tagsüber  wenig bis gar nichts zu spüren. Und sogar abends im Bett, wenn Mama zur Ruhe kam, und er immer besonders agil war, war überhaupt keine Bewegung.

Auch singen, seinen Namen rufen, leichte Schubser… nichts half. Ich drängte darauf, die Hebamme anzurufen. Dass es bereits 22.30 Uhr war, kümmerte mich wenig. Mist, der AB…. doch um 22.45 Uhr ihr Rückruf. Kurze Lagebesprechung, dann um 23.00 Uhr Abfahrt ins Krankenhaus.

Angekommen, Aufnahme, warum, weshalb, wieso, CTG. Und zack… mit den ersten gehörten Herztönen wurde der Kleene wieder agil. Schön angeschmiert!

Später beim Ultraschall hat die für uns geweckte Bereitschaftsärztin dann gesagt: „Sie haben aber ein sehr agiles Kind. Warum sind sie nochmal hier?“